Lipari und Aspromonte-Kalabrien 2016

10 tägige Wanderreise nach Lipari und Aspromonte-Kalabrien im Frühjahr 2016

Nach zweijähriger intensiver Planung war es dann endlich soweit. Mit dem Bus von Baumeister-Knese fuhren wir 12 Wanderer von der DAV-Sektion Ulm nach Stuttgart und hatten mit Germanwings einen guten Flug nach Catania. Nachdem alle Koffer eingetroffen waren, erwartete uns schon Jochen Meyer am Ausgang. Mit ihm waren wir schon mal auf Sizilien und im vorigen Jahr im Nationalpark Pollino (Kalabrien) unterwegs gewesen und nun stand uns das nächste Abenteuer bevor: Wandern auf den Liparischen Inseln. Unser Bus stand am Airport Catania schon bereit und gleich ging es  los nach Milazzo und weiter mit dem Tragflügelboot (65km/h) zur Hauptinsel Lipari. Am Fährhafen erwartete uns der Bus vom ****Aktea Hotel für den Gepäcktransport. Wir unternahmen erst mal einen informativen Spaziergang durch Lipari. Später im Hotel angekommen, standen unsere Koffer bereits in den zuvor reservierten Zimmern!

Lipari wird von der alten Burg überragt, deren Mauern auf das 16. Jh. zurückgehen. Die Burganlage liegt auf einer alten vulkanischen Staukuppe und war schon in der Bronzezeit ein beliebter Siedlungsraum, der sich auch gut verteidigen ließ. Auf dem Burggelände sind rechts unten Mauerreste der vorgeschichtlichen Siedlungen zu sehen, die bei einem Vulkanausbruch des Monte Pilato im 6.Jh. von schützenden Ascheschichten bedeckt wurden.

Auf Empfehlung von Jochen erfolgte die erste Wanderung auf den Monte Fossa delle Felci (962m) auf Salina. Als kulinarische Besonderheit von Salina sind die in Meersalz eingelegten Kapern. Die Kaper ist keine Frucht, sondern die Knospe einer ansonsten farbenfroh blühenden Pflanze und hier auf den Inseln fester Bestandteil der einheimischen Küche. In Deutschland bekannt als Zutat in den Königberger Klopsen. Die Fähre brachte uns also nach Santa Marina und nach einer informativen kleinen Rundfahrt mit dem Taxi erreichten wir Madonna del Terzito und hatten wie schön - die ersten 300 Hm schon hinter uns. Jochen ging auf der Direttissima voraus (steile Stufen und ziemlich anstrengend für die erste Tour, aber meist im Wald) und nach 75 Minuten erreichten wir den Gipfel. Von hier aus hat man eine tolle Aussicht auf Nachbarinseln Filicudi und Alicudi. Neben dem Gipfelkreuz des Monte Fossa delle Felci (962m) steht ein Holztisch und ist bestens geeignet für unser Picknick: Legendäre-Panini von Gilberto e Vera mit exzellentem Vino Rosso. Abstieg wie Aufstieg.

Am nächsten Tag brachte uns die Fähre nach Vulcano Porto. Schon am Hafen nimmt man den an faule Eier erinnernden Geruch des Schwefelwasserstoffs wahr. Der Aufstieg zum Gran Cratere (300 Hm) war nicht besonders anstrengend, wenn man von den Schwefeldämpfen absieht. In der antiken Mythologie galt Vulcano als Heimat des griechischen Feuergottes Hephaistos, der dort die Rüstung des Äneas geschmiedet haben soll. Der letzte Ausbruch war 1890.  Am Kraterrand angekommen, entdeckten wir die aus vielen kleinen Schloten entweichenden gelben Schwefeldämpfe. Sie bilden feine kristalline Strukturen. Beißender Dampf zieht über den Krater je nach Windrichtung bis zum oberen Kamm (390 Hm). Nach dem Abstieg folgte der Einkehrschwung im Ristorante Il Cratere mit Pasti a Frizzo Fisso, Vino und Kaffee. Und Helga, als einzige unserer Gruppe ließ es sich anschließend nicht nehmen, im Schwefelschlamm zu baden. Vision: jede Minute im Schlamm – verjüngt dich um ein Jahr, (aber mit leichter gelber Tönung)!

Der letzte Tag blieb Lipari vorbehalten. Mit dem Taxi fuhren wir an der Küste entlang und besichtigten die inzwischen stillgelegten Bimsstein- und Obsidian Minen. Bimsstein ist ein gasreiches Gestein, welches wegen seiner vielen Poren (85% des Volumens) sogar im Wasser schwimmt. Es wurde früher u.a. verwendet als Schleif- und Poliermittel, als Filter und Dämmstoff. Der industrielle Abbau endete 2007 und Lipari erhielt dann auch den Status UNESCO-Weltnaturerbe. Auch Obsidian wurde hier schon in der Jungsteinzeit abgebaut. Er war wegen seiner Härte als Waffen- und Werkzeugrohstoff sehr begehrt und wurde in den ganzen Mittelmeerraum exportiert. Die äußerlich so unterschiedlichen Gesteine Bimsstein und Obsidian sind chemisch im Prinzip identisch, beide sind aus einer kieselsäurereichen Alkali-Tonerde-Silikat-Schmelze entstanden und bestehen zu mehr als zwei Drittel aus Silizium bzw. Quarz. Während die Gase bei Bimsstein infolge explosiver Eruptionen mit hoher Temperatur (mind. 800 Grad C) die Magma aufschäumte, waren beim Obsidian durch eine rasche Erstarrung der zähen Konsistenz die Gase gebunden und es entstand diese glasige Struktur. Obsidian auf über 800 Grad erhitzt, würde es zu Bimsstein. Unser Taxi bringt uns bis nach Chirica Rasa (300Hm) und von hier begann unsere Wanderung an Westseite von Lipari. Bald erreichten wir die Cave di Caoline (Kaolin Steinbrüche). Auch hier dampft der Schwefel aus einigen Spalten und färbt den Fels gelblich. Die sogenannte Westküstenwanderung führt uns dann über die inzwischen stillgelegte Therme San Calogero bis nach Pianoconte. Im Ristorante Al Bivio war wieder alles vorbestellt. Weiter ging es danach über S. Bartolo al Monte. Von hier aus hat man den besten Ausblick auf Lipari.

Am letzten Abend im Hotel Aktea wurden wir wieder mit einem prächtigen Buffet richtig verwöhnt! Die Bungalows dort sind sehr komfortabel, der Service bestens und die Küche exzellent! Unser besonderer Dank gilt auch unserm Wanderführer Jochen, der wie im letzten Jahr alles perfekt vorbereitet hat. Er kennt sich auf  den Inseln und auch auf Sizilien sehr gut aus und hat immer die richtige Empfehlung parat. Am nächsten Morgen begleitete uns Jochen noch zum Fährhafen.

Nach einer kurzen Überfahrt mit dem Tragflügelboot nach Milazzo (Sizilien) empfing uns auch schon Sabine Ment. Mit ihr waren wir schon ein Jahr vorher um Capo Vaticano in Kalabrien unterwegs gewesen. Alles wurde nun in zwei Kleinbusse verladen zur Weiterfahrt nach Messina. Die Überfahrt nach Villa San Giovanni dauerte nur 20 Minuten und nun waren wir wieder mal in Kalabrien. Auf dem Weg nach Brancaleone, unserm nächsten Standort, lag das Frühstück schon 6 Stunden zurück und Sabine hatte in einem Restaurant in Melito di Porto Salvo was Leckeres vorbestellt. Ohne Eile ging es nach 2 Stunden weiter in das kleine Bergdorf Pentedatillo. Dieses Juwel am Südhang des Felsens Pentedaktylos (griechisch fünf Finger) bietet einen phantastischen Rundblick auf das Hinterland des Aspromonte und auf das Ionische Meer. Unser Rundgang begann an der Chiesa della Candelora und führte über den schmalen Aufstieg zur Porta Terra, dem Eingang zu den Burgruinen. Die Erdbeben von 1783/1908 verursachten schwere Schäden und der Ort wurde mehr und mehr zum Geisterdorf. Erst in den letzten Jahren wurden einige alte Häuser wieder restauriert. Eine wahre Blumenpracht zeigte sich dann auf der Nordseite des Felsens. Glockenblumen, gelben Margeriten, wilden Fenchel und Kakteen. Wir werden noch weitere altgriechische Dörfer besichtigen und fahren nun direkt zu unserm ****Hotel Altalia in Brancaleone.  Auf dem Parkplatz standen ein Bus und etliche PKW. Uns war klar, viele Italiener werden heute traditionell in den Mai tanzen. Alles war ganz unterhaltsam und das Service Personal durchweg mit den 150 netten Italienern voll ausgelastet. Irgendwann trauten wir uns auch ans gerupfte Buffet und so nach und nach wurden dann auch noch Getränke geliefert. Nach dem exzellenten Service im Aktea Hotel auf Lipari war dies schon eine herbe Enttäuschung.

Noch bis ins 19. Jh. wurde in den entlegenen Bergorten des südlichen Aspromonte hauptsächlich Alt-Griechisch gesprochen. Heute besinnt man sich auf dieses Erbe, pflegt den kulturellen Austausch mit Griechenland.  Engagierte junge Menschen in Bova, Gallicianò und Pentidàttilo haben sich zu Kooperativen zusammengeschlossen und pflegen die Gastfreundschaft und sanften Tourismus. In den alten Ortsteilen werden Unterkünfte für Gäste hergerichtet und Treckingtouren in die schönsten Gebiete des Nationalparks Aspromonte angeboten.

Am nächsten Morgen ging es also schon früh los und somit waren wir die ersten im Restaurant. Die andern Gäste hatten es nicht eilig – es wurde ein regnerischer Tag. Schade für die Italiener, die immer am 1.Mai traditionell mit der ganzen Familie ihr Grillfest feiern. Wir Wanderer lassen uns aber nicht aufhalten und fahren pünktlich los. Zweisprachige Schilder weisen den Weg nach Bova/Vira, den 820 m hoch gelegenen ehemaligen Bischofssitz im Zentrum der area grecanica. Bis 1573 wurde der Gottesdienst noch nach griechisch-orthodoxer Liturgie gefeiert. Im malerischen Bova angekommen, marschierte gerade bei strömenden Regen eine Musikkapelle durch das Dorf. Wir bummelten durch den Ort bis zum verfallenen Kastell und von dort hat man eine wunderschöne Aussicht auf den Ort, die Landschaft des Aspromonte und wenn es gerade nicht regnet, den Ätna. Nach einer ausgiebigen Mittagspause in der Taverna di Bova hat uns Sabine trotz des Regenschauers auf dem steilen Pfad nach unten geführt, in das Bergamotte Anbaugebiet Amendolea. Dieser 3 Meter hohe Agrumen Baum mit seinen birnenähnlichen Früchten, gedeiht nur an der ionischen Küste Kalabriens zwischen Reggio und Rocella Ionica. Das aus den unreifen Fruchtschalen gewonnene aromatische Öl besitzt therapeutische und kosmetische Eigenschaften. Sehr bekannt als Bestandteil des Eau de Cologne.  

Den Tag darauf startete unsere nächste Wanderung in Natile Vecchio (310 Hm). Knorrige Bäume, wilde unzugängliche Felslandschaften erwartet uns im Aspromonte. Wir besteigen den Rocce di San Pietro (583 Hm) mit schönem Weitblick auf den Aspromonte. Nun wird erst mal an ansehnliches Picknick aus den Rucksäcken gezaubert um anschließend den Felsen Pietra Cappa (829 Hm) zu umrunden. Im Wald schwirren überall freilaufende Schweine herum, bleiben aber friedlich.

Auf unserer Fahrt zu Kalabriens Hauptstadt Reggio, erscheint an der Steilküste plötzlich Scilla. Beeindruckend die exponierte Lage auf dem ins Meer reichenden hohen Felsen mit seinem klobigen Kastell. Im 12.Gesang von Homers Odyssee, die im 8.Jh. v. Chr. verfasst wurde, steht zu lesen, was die göttliche Kirke dem Helden Odysseus über Skylla und Charybdis erzählte: In der Mitte des Felsens…..…etc. Scilla hat schon viele Erdbeben erlebt. 1783 flüchteten 1450 Bewohner an den Strand und wurden dann von einer Springflut ins Meer gerissen. Heute lohnt sich ein Spaziergang durch die malerischen Gassen. Nach einer kurzen Pause am 600m langen Sandstrand fuhren wir weiter nach Reggio di Calabria. Das Archäologische Museum <<beherbergt>> die berühmten Krieger von Riace, zwei griechische Bronzeskulpturen  von einzigartiger künstlerischen Qualität. Von der Harmonie der Glieder bis zum Realismus des Muskelspiels, von der Feinheit der Fingernägel bis zum zarten Geflecht der Adern unter der glänzenden Haut sind sie vollkommen. Das nach umfangreichen Renovierungen des am 30.Mai 2016 wieder eröffneten Museums enthält Zeugnisse der Vor- und Frühgeschichte, Alt- und Jungsteinzeit, Kunstfertigkeiten der Bronze- und Eisenzeit und vieles mehr. Im Schatten gigantischer Magnolienbäume genehmigten wir uns ein großes Eis. Der Dom von Reggio wurde 1908 nach einem Erdbeben in Anlehnung an romanische und gotische Vorbilder neu errichtet aus weißem Kalkstein. 

Am nächsten, wieder regnerischen Tag wanderten wir von Bova zu den verlassenen griechischen Dörfern Roghudi und Roccaforte del Greco. Allein die Fahrt in diese wilde und verlassene Bergregion ist bereits ein Abenteuer für sich. Nur von Abgründen umgeben, liegt das malerische Roghudi Vecchio auf einem schmalen Felsgrat hoch über dem gletschergleichen Bachbett des Fiume Amendolea. Auf nassen und Steinschlag gefährdenden Wegen erreichten wir schließlich eine Schutzhütte. Sabine und Dimitri kennen sich hier aus. Sie heizten gleich den Ofen an und zaubern zu unserer Überraschung köstliche Spagetti mit Pesto hervor. Auch Kaffeeliebhaber kamen nicht zu kurz und nach zwei gemütlichen Stunden begann die Rückfahrt nach Brancaleone. An dieser Stelle darf ich Sabine und Dimitri ein großes Lob und auch unsern Dank aussprechen. Unermüdlich und dem häufigen Regen trotzend, hatten sie immer die beste Variante für uns parat. Mit den beiden unterwegs zu sein, spricht für einen interessanten und gelungenen Wanderurlaub. Am Abend heißt es wieder Kofferpacken.

Enttäuschend war der Aufenthalt im Hotel Altalia in Brancaleone. Bis auf den Anreisetag waren wir die einzigen Gäste. Für das Frühstück und Abendessen mit minimalster Abwechslung gibt es nur **.

Die Rückfahrt bei schönstem Wetter verlief gut und sogar der Ätna schaute kurz aus den Wolken. Die Fähre wartete schon auf uns. In Messina war viel Verkehr und gegen 11:30 Uhr erreichten wir den Airport Catania. Sabine und Dimitri holten noch die Überraschung aus dem Kofferraum: Ein reichhaltiges Picknick für uns alle; doch für den Verzehr blieb leider keine Zeit. Es waren hunderte Reisende unterwegs und die Kontrolle des Handgepäcks dauerte ewig. Als letzte Passagiere rannten wir in den Flieger und schon waren wir in der Luft. Der Rückflug nach Stuttgart verlief dann problemlos und hier wartete schon unser Bus nach Ulm. 

Diese Wander- und Kulturreise nach Lipari und Aspromonte-Kalabrien, wiederum zusammengestellt von Henry Pfleghaar, war interessant und informativ. U nd Dank der Harmonie in unserer Gruppe einfach schön. 

Text: Henry Pfleghaar und Hans Friedrich   Bilder: Inge, Irmlind, Henry

Links: www.Reisemeyer.de    www.hotelaktea.it     www.sabinement.com    www.aspromontewild.it

Vulcano Gran Catere
Vulcano Gran Catere
Salina
Salina
Lipari Therme San Cologero
Lipari Therme San Cologero
Messina
Messina
Salina - weitere Fotos in der Bildergalerie
Salina - weitere Fotos in der Bildergalerie

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